Grosselfingen – lässt Tradition aufleben

jw. Am Sonntag verwandelte sich die Gemeinde
Grosselfingen ins „Venezianische Reich“. Nach 4 Jahren Pause wurde mit immensem
Aufwand und Mühe erneut das ehrsame Narrengericht aufgeführt. Der Ursprung der
Bruderschaft geht zurück bis 1439. Etwa 3000 Besucher kamen aus nah und fern,
darunter viele geladene Ehrengäste, um sich das große Spektakel stammend aus
dem 15. Jahrhundert vor Ort anzusehen. Die Verantwortlichen, allen voran
Narrenvogt Manfred Ostertag hatten nicht zu viel versprochen. Bei strahlendem
Sonnenschein nahmen die Aufführungen ab 12.30 Uhr ihren Lauf. Im Vorfeld
nämlich um 9.00 Uhr zelebrierte Pater Artur Schreiber das Lob- und Seelenamt
für alle lebenden und verstorbenen Mitglieder der Bruderschaft des Ehrensamen
Narrengerichts in der Hubertuskirche.

Nachmittags war sodann doch einiges los im Grosselfinger Ortszentrum und am Marktplatz. Nahezu 350 männliche Einwohner, Jung und Alt, unterteilt in ca. 40 verschiedene Gruppen nahmen in ihren farbenprächtigen Kostümierungen an diesem Narrenspektakel teil und sorgten immer wieder für Umtrieb und Lacherfolge beim Publikum. Mit Musik und großem Getöse zogen sie Umzugsmäßig durch den Flecken. Nach Abholung des Narrenvogts Manfred Ostertag schlängelte sich der Zug zum Marktplatz, wo der Platzmajor die Reichsordnung verkündete. Im alten Schulhaus wurde Gericht gehalten und alle wurden sie angeklagt und von den Herren von Venedig verurteilt. An erster Stelle Politikerin Annette Widmann-Mauz, Landrat Pauli, gefolgt von den Bürgermeistern Franz-Josef Möller und Roman Waizenegger, sowie Elmar Langenstein, Armin Haspel, Heiko-Peter Melle, das Dreigestirn der Nichthuldiger, Senta Weckenmann, Konrad Wiget, und weitere Personen. Die Verurteilten mussten so einiges über sich ergehen lassen, jedoch bekam keiner die Todesstrafe, sondern mussten mit barer Münze bezahlen und kamen auf die Pritschenbank, wo sie Hiebe auf das Hinterteil bekamen oder eine Bartrasur erdulden mussten und so ihr Fett abbekamen. Im Pfarrhaus wurde zwischenzeitlich auch der Krauthafen abgeholt und die Geistlichkeit mit Pater Artur und Bernhard plus Sonja (Gemeindereferentin)verhaftet. Der Raub des Sommervogels, seine Ankunft lässt das Ende des Winters erhoffen war das größte Verbrechen. Dennoch die Räuber wurden gefasst und verurteilt, nämlich auf Verweis des Narrenvogtes – er ließ nochmal Gnade walten - in den Brunnen geworfen. Zum Spielende wurde der Narrenvogt in sein Haus zurückbegleitet. Im Gasthaus Ochsen gab es anschließend noch den Narrentanz.